AUS DEM CENTROPA ARCHIV

Erwin Landau

Foto: Erwin Landau und sein Bruder Ernst vor ihrer Flucht aus Österreich
Foto aufgenommen in: Wien, Österreich (1938)
Zeitpunkt des Interviews: 2003
Interviewte Person: Erwin Landau
Interviewerin: Tanja Eckstein

Wir haben für unsere Eigentumswohnung samt der Einrichtung 200 Mark von irgendeinem Nazi bekommen. Meine Mutter hat geweint und gesagt, schon die Einrichtung sei ein vielfacher Wert. ‚San's froh, dass sie des kriegen, andere kriegen überhaupt nichts', hat der Nazi gesagt. Nachdem wir die Wohnung verkauft hatten, sind wir zum Zug gegangen und nach Köln gefahren - wir wollten über die Dreiländergrenze Luxemburg, Frankreich, Deutschland.
Ein direktes Ziel hatten wir nicht. Ich war neun Jahre alt, mein Bruder war sieben Jahre alt. An der Grenze sagten die Beamten: ‚Wir können Sie nicht rüberlassen, wir haben unsere Befehle.' Was hätten wir tun sollen?
Wir fuhren zurück nach Wien und gingen auf die Kultusgemeinde, denn wir hatten ja keine Wohnung mehr. Die Kultusgemeinde gab uns eine kleine Wohnung in der Robertgasse, im 2. Bezirk, in der Nähe der Urania. Dort lebten wir einige Monate zusammen mit der Witwe des Großvaters, Tante Marie nannten wir sie. Sie hatte auch ihre Wohnung verloren und Angst, allein zu sein - sie war ja schon eine ältere Dame. Nach einigen Monaten erfuhr mein Vater im Kaffeehaus, dass man für Schanghai keine Affidavids [4] brauchte. Eigentlich wollte er immer nach Amerika, in das Gelobte Land, aber nun flüchteten wir nach Schanghai.

 

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