AUS DEM CENTROPA ARCHIV

Gerda Feldsberg

Foto:  Gerda Feldsberg
Foto aufgenommen in: Wien, Österreich (1935)
Interviewte Person: Gerda Feldsberg
Interviewerin: Tanja Eckstein

Meine Eltern sind oft ins Theater, in die Oper und in Konzerte gegangen. Mein Papa ist allerdings immer eingeschlafen. Es wäre sehr nett gewesen, wenn Adolf [Hitler] nicht gekommen wäre! In der Porzellangasse war ein Zuckerlgeschäft mit fünf Stiegen und da habe ich jeden Tag nach der Schule etwas Süßes gekauft. Einmal bin ich, wie jeden Tag, hineingegangen, habe meinen Schilling auf den Ladentisch gelegt und mir etwas genommen. Die Verkäuferin hat mich aber einfach hinausgeworfen. Ich habe geglaubt, sie macht einen Witz oder denkt, ich wolle nicht zahlen, und da bin ich wieder herein gegangen und habe gesagt:
‚Ich habe Geld!' Daraufhin ist sie mit mir zur Tür gegangen und hat mich die Stiegen hinunter gestoßen. Als ich nach dem Krieg das erste Mal wieder in Wien war, habe ich sie zufällig getroffen, und sie hat mir gesagt, dass das nicht ihre Schuld war, sie hätte das machen müssen.

Ich hatte eine Schubkarre und einen Puppenwagen, und meine Mutter ist mit mir immer in den Votivpark gegangen. Dort habe ich mit anderen Kindern in der Sandkiste gespielt, und die Mütter sind zusammen gesessen und haben sich unterhalten. Ich erinnere mich an einen Tag - das war 1938 - da wollte ich, wie immer, in der Sandkiste spielen.
Plötzlich haben sich ein paar Buben auf mich gestürzt, und dann sind auch die Eltern gekommen. Sie wollten mich schlagen und aus der Sandkiste ziehen. Meine Mutter hat auf einer Bank gesessen, ist aufgesprungen, hat mich geschnappt und ist schnell mit mir weggelaufen. Ich bin sehr erstaunt über meine Mutter gewesen, weil ich geglaubt habe, sie müsse diesen Leuten sagen, dass sie das nicht machen dürfen.

 

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