AUS DEM CENTROPA ARCHIV

Edith Brickell

Foto: Edith Teller im Rudolfpark
Foto aufgenommen in: Wien, Österreich (1939)
Zeitpunkt des Interviews: 2002
Interviewte Person: Edith Teller Brickell
Interviewerin: Tanja Eckstein

Die Firma meines Vaters wurde 1938 sofort arisiert, und ich durfte nicht mehr in die Schule gehen. Am 10. November 1938 nach dem Pogrom wurden mein Vater und mein Bruder Gustl verhaftet. Meinen Vater brachte man in die Kenyongasse in eine Schule, und als er nach einer Nacht nach Hause kam, waren seine Haare schneeweiß. Gustl wurde nach Dachau deportiert. Dass meinem Vater damals nicht das Licht aufgegangen ist, das kann man heute nicht verstehen. Vielleicht deshalb nicht, weil man ihn wieder nach Hause geschickt hat. Ich denke auch, mein Vater war schon müde. Er war als junger Mann nach Japan gegangen, dann nach Wien gekommen; vielleicht wollte er nicht noch einmal weggehen und wieder von vorn beginnen. Was passierte, war zwar alles sehr bedrohlich, aber trotzdem glaube ich heute, dass meine Eltern die Gefährlichkeit der Situation, die Gefahr für das Leben, nicht erkannten. Mein Vater sagte einmal, ich kann mich genau erinnern: ‚Ich hab nie einem Menschen etwas Böses getan, man wird mir auch nichts Böses tun'. Das war seine Einstellung. Meine Mutter, glaube ich, wäre nicht ohne ihre Mutter aus Wien weggegangen. Aber meine Eltern wollten, dass ich und meine Brüder erst einmal wegfahren.

 

Lese die gesamte Biographie von Edith Brickell hier.

Durchsuche alle Fotos der Familie von Edith Brickell.